Volksbank.klassisch mit der Rhein-Ruhr Philharmonie

Herbstkonzert

Hattingen, 19.09.2015

Am 7. November laden der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die Volksbank Sprockhövel eG sowie die Rhein-Ruhr Philharmonie zum Herbstkonzert „Volksbank.klassisch“ ein. Veranstaltungsort ist die Gebläsehalle des LWL Industriemuseums in Hattingen.

Heute ist es wohl nicht mehr möglich, der Zeit des Hochimperialismus ohne das Trauma des Ersten Weltkrieges zu begegnen. Tatsächlich erlebten viele Menschen die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Stolz, nicht jedoch mit nationalem Chauvinismus oder gar militärischer Aggression. „So wie beim ‚Sommermärchen 2006‘, nationale Gefühle ohne Chauvinismus, ja, das geht“, sagt LWL-Museumsleiter Robert Laube.

Wie das klingt, hören die Besucher von „Volksbank.klassisch“ unter dem Dirigat von Thomas Schlerka in drei Beispielen von nationalen Empfindungen ohne „pomp and circumstance“.

Ein Russe, ein Engländer, ein Deutscher

Diese Musikstücke der Spätromantik entstanden in einer Zeit, als das Zarenreich seinen stärksten gesellschaftlichen Glanz entfaltete, musikgeschichtlich sich jedoch vorwiegend in Abhängigkeit von den westlichen Kulturnationen und noch auf der Suche nach einem nationalen künstlerischen Selbst befand. Das britische Empire war weltpolitisch auf dem Höhepunkt seiner Macht, musikgeschichtlich aber vorwiegend rückwärts gewandt. In Deutschland kam es erst 1871 zur Gründung eines Kaiserreichs; doch waren im deutschsprachigen Kulturraum seit Beginn des 19. Jahrhunderts hochkarätige Musikwerke entstanden, die auch im Ausland trotz des politischen Flickenteppichs der deutschen Kleinstaaten als Leistungen einer Kulturnation angesehen wurden und zur Bildung eines neuen nationalen Bewusstseins in Deutschland beigetragen haben.

Alexander Borodin (1833 – 1887): Ouverture zur Oper „Fürst Igor“ (1891)
Für Borodin, Mediziner und Chemieprofessor, war die Musik eine geliebte Freizeitbeschäftigung. Sein Leben lang arbeitete er an einer russischen Nationaloper „Fürst Igor“ –  sie blieb unvollendet. Aus seinen Skizzen und Fragmenten fertigten Nikolai Rimskij-Korsakow und Alexander Glasunow eine Bühnenfassung, die nach Borodins Tod aufgeführt wurde. Die Ouverture basiert auf einer Klavierimprovisation Borodins, die Glasunow aus dem Gedächtnis und mit einzelnen Notizzetteln Borodins rekonstruiert und instrumentiert hat.

Edward Elgar (1857 – 1934): „Sea Pictures“, fünf Lieder für tiefe Singstimme und großes Orchester op. 37  (1899)
Kein Ort in England liegt weiter als 100 Kilometer vom Meer entfernt – kein Wunder, dass die See im Leben und Denken der Briten ein wichtiges Thema ist. Die Texte zu Elgars „Sea Pictures“ reflektieren eher Spiegelungen seelischer Vorgänge als  „Britannia, rule the waves“.  „Die musikalische Gestaltung durch Elgar setzte mit ihrer ausdrucksvollen Melodik und glanzvollen Orchestrierung Maßstäbe“, so Laube.

Johannes Brahms (1833-1897): Symphonie Nr. 1 in c-Moll, op. 68  (1877)
“Wie soll man eine Symphonie schreiben, wenn man ständig den Riesen Beethoven hinter sich marschieren hört?“ Zwar erinnert das Hauptthema von Brahms‘ erster Symphonie an Beethovens 9. Symphonie, doch hat der grüblerische, verschlossen wirkende Grundzug nichts mit Beethovens und Schillers euphorischem „Alle Menschen werden Brüder“ gemein. „Angesichts des im Umfeld der Reichsgründung vielfach anzutreffenden „Hurra-Patriotismus“ wirkt die Brahms-Symphonie wohltuend unprätentiös und ist Ausdruck zeitenübergreifender Sehnsucht nach Idealen“, sagt Laube.

„Achte jedes Mannes Vaterland, aber das deinige liebe.“ Das Wort des schweizer Politikers und Poeten aus dem Jahr 1860 hätten viele Zeitgenossen unterschrieben. Die Liebe der Rhein-Ruhr Philharmonie und das Dirigat Thomas Schlerkas gehört der Musik, die dieses Wort zum Klingen bringen wird.

Da die Konzerte der Rhein-Ruhr-Philharmonie regelmäßig ausverkauft sind, ist Eile beim Kauf geboten. Karten gibt es für 15 Euro (erm. 10 Euro) in unseren Filialen.