Erfolgsfaktor Genossenschaftsmodell

Weltweit als stabiler Wirtschaftsfaktor gerade in Krisenzeiten

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon lobt den Genossenschaftsgedanken. Der Papst nennt Erfahrungen auf dem Gebiet der Kreditgenossenschaften „Positiv-Beispiele in der Krise“. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz sieht das, was Genossenschaften ausmacht, als Antwort auf die Finanzkrise.

Dr. Angela Merkel lobt die genossenschaftlichen Prinzipien und Bundespräsident Horst Köhler bezeichnet die Genossenschaftsidee heute im Zeitalter der Globalisierung als „so lebendig und wichtig wie eh und je“. Lob also von allen Seiten, weltweit. Doch wieso? 

 

Ist es die besondere Rolle der Genossenschaften für eine wirtschaftliche Entwicklung mit sozialer Verantwortung - gerade in schwierigen Zeiten? Oder sind es die genossenschaftlichen Werte wie etwa die gemeinschaftliche Selbsthilfe oder eine demokratische Beteiligung und Selbstverantwortung, die dieses Modell so krisenfest machen? Alle diese Faktoren zusammen sind es, die dafür sorgen, dass Genossenschaften auch in Zeiten der Finanzkrise beständig ihre Mitglieder in wirtschaftlicher, sozialer oder kultureller Hinsicht fördern!

 

Keine Konzentration auf riskante Spekulationsgeschäfte in der ganzen Welt sondern handfeste und seriöse Leistungen in der Region. Diese Nähe ist einer der Grundpfeiler des Erfolgs. Und die Nähe ist beidseitig: von den rund 30 Millionen Kunden in Deutschland sind die Hälfte als Teilhaberinnen und Teilhaber der Bank zugleich mitbestimmende Mitglieder. Die Genossenschaftsbanken fördern genau diese Mitglieder, nicht nur in Deutschland und Europa, sondern der ganzen Welt. Insbesondere in Entwicklungs- und Transformationsländern ermöglichen Genossenschaften allen Bevölkerungsschichten den Zugang zu Märkten und tragen so entscheidend zur Überwindung von Armut bei. So fördern sie mit Nachhalt die regionale Wirtschaftsstruktur und ermöglichen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt für alle.

 

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon betonte in seiner Erklärung zum Internationalen Tag der Genossenschaften 2009, dass sich Genossenschaftsbanken in der Finanzkrise kundenfreundlich verhalten hätten. Während andere Finanzinstitutionen die Kreditvergabe drosselten, baue der genossenschaftliche Bank- und Kreditsektor die Vergabe von Krediten aus, so Ban Ki-moon. Hierdurch linderten sie die Auswirkungen der Kreditsperre auf die am härtesten Betroffenen. Ban Ki-moon rief in seiner Erklärung die Regierungen sogar ausdrücklich dazu auf, eine Politik einzuschlagen, die die Gründung und Entwicklung von Genossenschaften unterstützt.

 

Dass sogar Papst Benedikt XVI. Kreditgenossenschaften lobt, ist auf seinen Wunsch zurückzuführen, angemessenere Bedingungen für die Entwicklung des Menschen und der Völker zu schaffen. Die Wirtschaft und das Finanzwesen sieht der Papst dabei als Werkzeuge an, die nach ethnischen Maßstäben gebraucht werden sollten. So sagt er in seiner Enzyklika „caritas in veritate“ („Die Liebe in Wahrheit“) vom 29. Juni 2009: „Wenn die Liebe klug ist, kann sie auch die Mittel finden, um gemäß einer weitblickenden und gerechten Wirtschaftlichkeit zu handeln, wie viele Erfahrungen auf dem Gebiet der Kreditgenossenschaften deutlich unterstreichen.“

 

Auch Bundespräsident Horst Köhler hob in seiner Rede zum 200. Geburtstag von Hermann Schulze-Delitzsch die Bedeutung der Genossenschaftsidee hervor. Sie sei zeitlos und geografisch nicht begrenzt und verzichte überwiegend auf unnötige Bürokratie. Köhler betonte zudem die wichtige ordnungspolitische Funktion der Stärkung kleiner Unternehmen, der Eigentümer und Familienbetriebe. Hier werde in besonderem Maße Verantwortung und Risiko übernommen, weshalb die Tatsache, dass Genossenschaften gerade diese Unternehmen konkurrenzfähig mache, besonders wichtig sei. Horst Köhler brachte seine Freude ganz besonders darüber zum Ausdruck, dass es Volksbanken und Raiffeisenbanken überhaupt gibt und hob insbesondere dessen Dezentralität und die damit verbundene so wichtige Kundennähe hervor.

 

„Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung sind besonders in Zeiten der Globalisierung wichtige Prinzipen, die vor allem Genossenschaftsbanken auszeichnen“, so Dr. Angela Merkel bei einem Besuch des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Berlin. Die Bundeskanzlerin lobte zudem die erfolgreiche Arbeit der Volks- und Raiffeisenbanken für den Mittelstand, die sie zu wichtigen Partnern bei der Bereitstellung von öffentlichen Fördermitteln machten.

 

Arbeitsminister Olaf Scholz wünscht sich angesichts der Krise eine Renaissance der Genossenschaften. Auf dem „Genossenschaftspolitischen Dialog“ des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und des DGRV bezeichnete er die Genossenschaften als „Ausweg aus der Finanz- und Wirtschaftskrise, gerade jetzt, wo neue Antworten und Ideen verlangt werden“.

 

Dieser Ausweg beinhaltet auch das Sichern von Arbeit. Denn: Genossenschaften sind ein Arbeitsplatzgarant. Es werden in etwa 7.500 genossenschaftlichen Unternehmen mehr als 800.000 sichere Arbeitsplätze bereitgestellt und über 35.000 junge Menschen ausgebildet. Trotz Abschwung präsentiert sich der genossenschaftliche Sektor demnach als stabiler Wirtschaftfaktor. Doch wie kommt es zu dieser Entwicklung gegen den Negativtrend? Jurist und Genossenschaftsexperte Prof. Dr. Volker Beuthien von der Universität Marburg sieht die stabilisierende Wirkung der Rechte und Einwirkungsmöglichkeiten aller Mitglieder auf die Führung sowie die Selbstprüfung durch die Genossenschaftsverbände als Grund. Auch sei der genossenschaftliche Förderzweck auf die realen Wirtschafts- und Lebensbedürfnisse der Mitglieder ausgerichtet und baue so auf selbst verantwortete Wohlfahrtssteigerung statt abgehobener Kapitalvermehrung.

 

Lob als von allen Seiten, Zuspruch weltweit. Genossenschaften als Fels in der Brandung und Ausweg aus der Krise. Während die Finanzkrise für den Bankensektor eine enorme Schwächung bedeutet, geht der Genossenschaftssektor gestärkt aus der Krise hervor. Jetzt gilt es, auf dieser guten Ausgangslage aufzubauen und erfolgreich weiter zu arbeiten. Horst Köhler appelliert an die Volks- und Raiffeisenbanken: „Nehmen Sie diese Krise als Herausforderung an, bewahren Sie sich das, was eigentlich das Wichtigste für das Bankengeschäft ist: das Vertrauen Ihrer Kunden und Geschäftspartner. Bewahren Sie sich das, arbeiten Sie daran und dann gibt es eine lange Zukunft für Volks- und Raiffeisenbanken.“

 

Quelle: Info ADG aus Montabaur

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